Mit BoD kommt jeder unkompliziert und günstig zum eigenen Buch. Vom spannenden Krimi über Gedichte bis hin zu Sachbüchern oder dem persönlichen Kochbuch - hier kann jeder veröffentlichen.

 

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"Tarnung: Flussregenpfeifer am Gelege"

MoVo 2007 (Seidenmalerei)

"Buntspechtgeschwister nach dem  Flüggewerden"

MoVo 2005 (Seidenmalerei)

"Tarnung:  Zwergohreule."  Movo 2007  (Seidenmalerei)
"Tarnung: Zwergohreule." Movo 2007 (Seidenmalerei)

WISSENSCHAFTLERIN - AUTORIN - MALERIN

 

 


 

http://blindeflechtenamenlos.jimdo.com/

 

 

Autorin und Illustratorin von

 

"Blindgänger - das Zaunkönigs Botschaft"

- ein Roman in Briefen -

 

und

 

"namenlos - das Andere Ich"

-  Tagebuchaufzeichnungen / Spuren eines anderen Lebens -

 

 

 

"Auf dem Flusse"
"Auf dem Flusse"

 

 

LESEPROBEN

aus: "BLINDGÄNGER - DES ZAUNKÖNIGS BOTSCHAFT"

 

(Copyright: I. Rosnitschek-Schimmel)

 

Ein Roman in Briefen

(BoD 2004)

 

 

S. 41 - 42

 

" ... Doch dann kam in gerade verflossenen Oktober diese junge, dunkelhaarige Frau mit den ungestümen Locken in meine Werkstatt, als ich an einem Bild auffliegender Kastanienenten, Anas castanea, arbeitete. Die Erpel im Prachtgefieder: grün schillernder Kopf, die Seiten zimtfarben, ein grünlicher Spiegel, der seitliche weiße Streifen am Körper, der Schnabel leicht graublau. Die Weibchen schlichter, unauffällig, einzig der grüne Spiegel sticht als schimmernder Fleck am Flügel ins Auge.

Die Hände in den Hosentaschen ihrer abgetragenen Jeans trat sie unvermutet durch die offene Türe, verharrte, musterte den Raum.

Ihre Blicke blieben an dem großen Bild an der Wand hängen, auf dem ich Könige der Welt versammelt habe,

alle dem Geschlecht der Troglodytidae angehörend,

unter dem viele illustre Namen vertreten sind:

der Zaunkönig, par excellance, selbstverständlich:

Trogodytes troglodytes.

Daneben: (.... ) - Troglodytes aedon, der Hauszaunkönig -  (... ) - Henicorhina leucophrys, der Einsiedlerzaunkönig - (...) Salpinctes obsoletus, der Felsenzaunkönig (...) - Cistothorus platensis,

der Seggenzaunkönig - (...)

... eine Auswahl der klingendsten Namen, nicht mehr.

 

Meine Besucherin beachtete mich kaum, starrte auf das Gemälde.

Schon längst hatte ich den Pinsel sinken lassen und beobachtete sie.

Ich wusste nicht, woher ich das Mädchen kannte - irgendwie war sie mir nicht fremd, aber es gab nichts zu benennen,

nur ein Gefühl, dass ich mir nicht erkären konnte.

Hatte sie überhaupt wahrgenommen,

dass ich hier im Raum an dem Tisch saß?

Ich hatte nicht den Eindruck.

Deswegen war ich perplex, als sie mich mit einem Male ansah,

ihre dunklen, braunen Augen auf mich richtete,

während ihr ganzes Antlitz lächelte  - es kam mir vor,

als hätte eine dunkle Wolke vor der Sonne gelegen,

die der Wind jäh wegblies, so viel lichte Wärme

strahlte mir entgegen.

Jetzt war ich mir ganz sicher:

Ich kannte sie!

Doch wer war sie nur?"

 

 

 

 

 

S. 112/113

 

" ... Geblendet von den Reflexionen des Sonnenlichts auf dem Wasser schloss ich die Augen. Rasender Schwindel erfasste urplötzlich meinen Kopf. Ich hatte das Empfinden, als würde in glitzernden Kaskaden die mir geschenkte Lebenszeit vom Anfang bis zum Ende hin in unfasslicher Geschwindigkeit herunterstürzen, in einen tiefen, türkisfarbenen See hinein ... kühl, ruhig und gelassen blieb dessen Oberfläche.

Nur ein paar aufsteigende Luftblasen kündeten noch von der Stelle,

wo ein Strudel meine "gestundete" Zeit in den Seegrund gezogen hatte. Ich atmete jetzt ruhig und entspannt, ohne Angst öffnete ich die Augen und blickte wieder auf die Wasserfläche, wie sie unter mir dahinströmte. Ich war glücklich. Ich fühlte mit einem Male eine unterschütterliche Sicherheit, die es mir möglich machte, eine bewusste Antwort zu geben auf meine Frage, welchen Weg ich in meinen Bildern, in meiner Kunst, weiter beschreiten sollte. ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LESEPROBE

 

aus: "NAMENLOS - das Andere Ich"

 

 

 

(Copyright: I. Rosnitschek-Schimmel)

 

 

 

Tagebuchaufzeichnungen 

Spuren eines anderen Lebens

 

(BoD 2010)

 

 

 

  Printbook

 

Seit 2014 auch als E-Book bei BoD erhältlich!

 

 

 

5. August

 

Kurz nach dem Erwachen.

 

Heute Morgen wurde ich von den ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages aufgeweckt und die Traum-Bilder der vergangenen Nacht standen mir noch deutlich vor Augen. In den letzten Tagen hatte der Himmel mit seinen dunklen, regenschwangeren Wolken nur allzu oft seine Drohung wahr gemacht, und damit meine Anwesenheit in der Hütte und die Erledigung dort anstehender Innenarbeiten erzwungen.

Doch heute war es anders, mehr noch: Es waren leuchtende Gegenbilder, die sich aus dem nächtlichen Dunkel ans helle Tageslicht drängten. Ich empfand sie als eine an mich gerichtete Botschaft, diese differenzierten Punkte- und Flächenmuster in den Farben Oliv, Beige, Grau, Weiß und Schwarz, wie sie ein steiniger oder felsiger Untergrund entwirft, auf dem die warmen Farben eines Flechtenbewuchses umso intensiver zum Leuchten kamen. Sie entflammten meine Sehnsucht danach, hinauf zu steigen bis zur Baumgrenze und vielleicht sogar ein wenig darüber hinaus. Auf dem Weg dorthin wollte ich den Blick auf die lockenden Beerenfrüchte im dunklen Blattwerk der Sträucher zu meinen Füßen richten, um dann - an Ausblicken - still zu stehen, mich der Weite zu öffnen. Zu genießen, wie in der klaren Luft das kontrastierende Blau des Himmels, welches kein Ende zu finden scheint, sich schließlich grenzenlos irgendwo am Horizont meinen Augen entzieht oder in den unscharfen Grenzlinien der fernen Bergketten verliert.

Früher wäre es mir möglich gewesen, solche Bilder mit Hilfe der Kamera festhalten zu können, doch ich hatte mich einst bewusst dagegen entschieden. Den denkbaren Ausweg, mit Hilfe von farbigen Stiften die Eindrücke aufs Papier zu bannen, hatte ich mir aus gutem Grund verwehrt, wusste ich doch, dass der Weg zu solchen Fähigkeiten lang und meine Zeit sehr begrenzt sein würde. Um gegen die Vergänglichkeit und das Vergessen anzugehen, blieb mir nur mehr eine Möglichkeit: Den Eindruck umfassend und tief auf mich wirken zu lassen, in meinem Innersten möglichst sicher zu verankern, ihn durch das Erinnern immer wieder zu neuem Leben zu erwecken. Doch in der Einsamkeit und Stille der langen Nächte, im Dunkel der kalten Monate hoffte ich, genügend Zeit und Intensität dafür aufzubringen.

 

Ich wusste intuitiv, dass meine gestundete Zeit dem Schnittpunkt entgegen lief und es war mir bewusst, dass auch meine Innenwelt mit meinem Körper sterben würde.

 

Was würde bleiben?

 

Allerdings - jede intensive, bewusste - oder auch unbewusste - Begegnung eines Lebewesens mit seiner Außenwelt – hinterlässt sie nicht namenlose Spuren eines gewesenen Seins in dieser Welt?

Mit geschärftem Bewusstsein in der Gegenwart zu leben, mich nicht nur nach dem Gestern und Morgen auszurichten, dass war mein Wunsch gewesen. Für heute bedeutet dieser Entschluss für mich: Ich werde ins Gebirge hinauf wandern, dabei versuchen, alles Erlebte so intensiv wie nur möglich in mich aufzunehmen. Das heißt auch, nicht die zurückgelegte Strecke als Maßstab zu nehmen, sondern mich – mit meiner Zeit großzügig umgehend – nur dem Wahrnehmen und Erleben hinzugeben.

 

Andererseits wusste ich sehr gut, wie entscheidend es sein kann, die Gegebenheiten der Realität nicht zu vergessen und sich danach zu richten, sich ihnen zu stellen.

Das kostbarste Gut war mein Leben, das ich nicht besaß, das mir geschenkt worden war, allerdings lediglich für eine begrenzte Zeit. Die Art und Weise, sein Leben anzunehmen und es zu gestalten, kann zwischen zwei Polen ausgerichtet sein: Einerseits bestimmt von Mut, Entschlossenheit und Beharrlichkeit und andererseits von Vorsicht, bzw. Ängstlichkeit, Zaudern und Wankelmütigkeit. Das passende Maß dazwischen zu finden, in einem bestimmten Moment die richtige Entscheidung zu treffen, kann im Extremen zwischen Leben und Tod entscheiden. Dies wird einem besonders bewusst, wenn man, den natürlichen Gegebenheiten ausgesetzt, nahezu auf sich gestellt, sein Leben wagt!

Als ich mich damals zu einem solchen Schritt entschloss, verlor ich mein altes Leben und gewann ein neues dafür. Der gestrige Tag, er hat mich wieder einmal darin be-stärkt, dass ich einst für mich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Die Bilder der Flechten, wie sie sich mir eingeprägt haben, gleichen einer Landkarte, auf der mein Weg eingezeichnet ist.